Ich bin schon lange um Sauerteig herumgeschlichen. Aber lange habe ich mich nicht an ihn herangetraut. Zu aufwändig und zu zeitintensiv, habe ich mir gedacht. Nun ja, der Sauerteig braucht Zeit, aber mehr passive Wartezeit. Zu tun hast du damit nicht wirklich viel. Zwischendurch ein wenig füttern, umrühren und zum Schluss kneten. Das war’s schon.

Sauerteigrezepte und Anleitungen gibt es im Internet wie Sand am Meer. Ich habe mich durch Etliche durchgelesen. Am übersichtlichsten fand ich die Schritt-für-Schritt-Anleitung von Ylva von Der Klang von Zuckerwatte. Also habe ich damit begonnen mein Anstellgut nach ihrer Anleitung zu züchten. Naja, zumindest so ungefähr nach Rezept. Ich wäre ja nicht ich, wenn ich Anleitungen genauestens befolgen würde.
Ylva hat mit Roggenmehl gearbeitet. Das hatte ich aber gerade nicht zur Hand. Bei mir wurde also aus einem Roggenbrot ein Brot aus Weizenmehlgemisch. Ich habe mit Halbweissmehl und Ruchmehl gearbeitet.

Zutaten:

  • 465 g Halbweissmehl & 5 EL
  • 200g Ruchmehl
  • Wasser
  • 1 EL Salz

Zudem brauchst du:

  • Ein Einmachglas (ich arbeite mit einem Weckglas)
  • Gärkörbchen
  • Gusseisentopf mit Deckel (meiner ist von Le Creuset)
  • Küchenmaschine zum Kneten (z.B. Kitchen Aid) Von Hand geht’s auch, ist aber sicherlich anstrengender.

So geht’s:

Anstellgut

Tag 1: Achte darauf, dass dein Einmachglas sehr sauber und frei von Waschmittelrückständen ist.
Gib nun 1 EL Halbweissmehl und 2 EL handwarmes Wasser in dein Einmachglas und verrühre beide Zutaten gut miteinander. Nun habe ich den Deckel und die Gummidichtung meines Weckglases lose, ohne die Klammern zu benutzen, auf das Glas gesetzt und an einen Platz gestellt, wo es gemütlich warm und ruhig ist. Das war’s schon für den ersten Tag.

Tag 2: Dein Anstellgut hat Hunger. Füttere es mit einem weiteren EL Halbweissmehl und 2 EL handwarmen Wasser. Verrühren und wieder lose abgedeckt zurück an seinen Platz stellen.

Tag 3: Mein Gemisch hat nun erste Blasen geschlagen. Zudem riecht es meiner Meinung nach nach Schweissfüssen und Hefe. Ein, hmmm, sagen wir mal interessanter Duft. Solange sich aber kein Schimmel bildet und nichts faulig riecht, ist alles in Ordnung. Das muss so. Wir füttern unser Anstellgut mit einem weiteren EL Halbweissmehl und 2 EL Wasser. Abdecken und warten.

Tag 4: Das Gemisch lebt und blubbert fröhlich vor sich hin. Es kann sein, dass sich das Mehl ein bisschen abgesetzt hat und unten liegt, während das Wasser oben aufschwimmt. Nicht weiter schlimm. Verrühren und mit einem weiteren EL Halbweissmehl und 2 EL Wasser füttern. Abdecken und Geduld haben.

Tag 5: So, fast hast du es geschafft. Der Teig ist gewachsen und sollte immer noch blubbern. Heute gibt es nur noch
1 EL Halbweissmehl. Verrühren und nochmals abgedeckt stehenlassen.

Tag 6: Du hast es geschafft. Dein Anstellgut ist fertig und kann nun verwendet werden. Falls du gerade keine Zeit zum Backen hast, lagerst du dein Anstellgut bis zu seiner Verwendung zugedeckt im Kühlschrank. Ich habe mein Weckglas zur Lagerung im Kühlschrank richtig mit Klammern und Gummidichtung verschlossen.

Das Brot

Bist du nun bereit mit deinem Anstellgut das erste Brot zu backen? Legen wir los!

Stelle eine Schüssel bereit. Ich nehme am liebsten meine Schüssel mit dem passenden Deckel, da der Teig später zugedeckt ruhen muss. So spare ich an unnötigem Müll.
In deiner Schüssel verrührst du mit einem Löffel:

  • 20 g von deinem Anstellgut
  • 200 g Halbweissmehl
  • 200 ml Wasser

Deckel auf die Schüssel und bei Zimmertemperatur ungefähr 20 Stunden ruhen lassen.
Et voilà, dein Sauerteig ist geboren!

Damit dir dein Anstellgut nie mehr ausgeht, kannst du vom Sauerteig ein EL wegnehmen und in dein Anstellgut einrühren. Das Anstellgut reicht nun wieder für mindestens ein neues Brot und kommt zurück in den Kühlschrank bis zum nächsten Einsatz.

Nach 20 Stunden Geduldsprobe geht es weiter mit deinem Brot.
Gebe zu deinem Sauerteig weitere

  • 265 g Halbweissmehl
  • 200 g Ruchmehl
  • 1 EL Salz
  • 230 ml Wasser.

Der Teig ist nun klebrig und irgendwie zäh. Ich lasse also meine KitchenAid die Arbeit machen und knete den Teig für etwa 10 Minuten in der Maschine bis eine geschmeidige Teigkugel entsteht. Schüssel abdecken und Teig für 45 Minuten ruhen lassen.

Nach 45 Minuten knetest du deinen Teig erneut durch, deckst ihn wieder ab und gönnst ihm weitere 45 Minuten Ruhe.

Nun wird es Zeit dein Gärkörbchen einzumehlen. Meines ist rund und ich habe es hier gekauft. Forme deinen Teig zu einer Kugel, gebe ihn in dein Gärkörbchen und decke das Ganze wieder zu. Du brauchst nun weitere 45 Minuten Geduld.

Etwa 15 Minuten vor Ablauf der letzten Gehzeit heize ich meinen Ofen sowie den Gusseisentopf auf. Dazu den Ofen auf 230°C Ober- und Unterhitze vorheizen und den Gusseisentopf in den Ofen schieben, damit dieser ebenfalls schon heiss ist.

Sind die 45 Minuten im Ruhezeit im Gärkörbchen um und sind dein Ofen sowie der Gusseisentopf heiss? Gut!
Gebe deinen Teig in den Gusseisentopf (vorsichtig, sehr heiss!) und setzte den Deckel drauf. Der Topf kommt zusammen mit seinem wertvollen Inhalt schnell zurück in den Ofen. Setze deinen Timer auf 30 Minuten. Nach 30 Minuten erst nimmst du den Deckel des Topfes ab und bäckst dein Brot im Topf ohne Deckel für weitere 10 Minuten. So wird die Krume schön goldbraun und knusprig.

Nun brauchst du ein letztes Mal Geduld. Brot sollte vor dem Anschneiden auskühlen. Aber wer kann schon dem unwiderstehlichen Duft widerstehen?

Guten Appetit!

Sauerteig

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